NATIONALSOZIALISMUS UND KIRCHE

Kirchenkampf in Immanuel

Schon vor dem Machtantritt Adolf Hitlers hatte sich innerhalb der evangelischen Kirche die nationalsozialistische „Glaubensbewegung Deutsche Christen“ gebildet. Dagegen formierte sich ab 1934 die „Bekennende Kirche“. Zwischen den beiden Lagern kam es zu heftigen Auseinandersetzungen, die auch die Gemeinde der Immanuelkirche erfassten. Bei den staatlich angeordneten Kirchenwahlen 1933 erhielt der Gemeindekirchenrat der Immanuelkirche die „Liste Evangelium und Kirche“ sieben und die Liste der Deutschen Christen elf Sitze. Pfarrer Ferdinand Lies übernahm die Geschäftsführung. Zu den Gegnern der Deutschen Christen zählten die Pfarrer Walter Häfele und Emil Schöning, der 1937 der Bekennenden Kirche beitrat.

   

Kundgebung der Deutschen Christen im Berliner Sportpalast am 13. November 1933. Quelle: bpk
Auf der Großkundgebung der Deutschen Christen am 13. November 1933 im Berliner Sportpalast trat Studienrat Dr. Reinhold Krause (1893–1980) als Hauptredner auf. Krause war Pankower Kreiskirchenratsmitglied und Berliner Gauleiter der Deutschen Christen.
„Liebe deinen Nächsten als dich selbst, halte diesen Nächsten als deinen Bruder und Gott als deinen Vater.“ Das Gebot der Nächstenliebe galt Reinhold Krause zwar als die Essenz des christlichen Glaubens, doch konnte er trotzdem behaupten: „Wir haben immer wieder betont: judenblütige Menschen gehören nicht in die deutsche Volkskirche, weder auf die Kanzel, noch unter die Kanzel.“ Nach seiner Rede im Sportpalast kam es vielerorts zu einer Verstärkung der kirchenpolitischen Spannungen.

Glaubensbewegung Deutsche Christen

Quelle: Ev. Immanuel-Kirchengemeinde, Berlin


Die 1932 gegründete und von der NSDAP als Reichsorganisation anerkannte Glaubensbewegung Deutsche Christen ging aus einer Gruppierung hervor, die um 1930 von Pfarrern, Theologen und Laien in Thüringen ins Leben gerufen worden war. Bei den am 23. Juli 1933 durchgeführten Kirchenwahlen gewannen die Deutschen Christen in allen Landeskirchen deutlich mit einer Zweidrittelmehrheit. Sie, die sich selbst als „SA Jesu Christi“ bezeichneten, besetzten nun alle wichtigen Ämter. Im September 1933 wurde der Deutsche Christ Ludwig Müller (1883–1945) zum Reichsbischof ernannt und damit höchster Würdenträger der protestantischen Kirche im Deutschen Reich.
Die Deutschen Christen traten für ein „artgemäßes Christentum“ ein und für die Loslösung der evangelischen Kirche von ihren jüdischen Wurzeln. Sie forderten, das Alte Testament zu verwerfen, weil es „jüdisch“ sei. Die Glaubensbewegung verlor in den Jahren nach 1933 an Einfluss, auch wenn die Mehrzahl der Landeskirchen bis 1945 in der Hand der Deutschen Christen verblieb.

Pfarrernotbund / Bekennende Kirche

Quelle: http://anni-von-gottberg.de / Domstiftsarchiv Brandenburg


Die Deutschen Christen führten 1933 in der größten evangelischen Landeskirche, der Altpreußischen Union, den sogenannten Arierparagraphen ein, wonach auch von Geistlichen und kirchlichen Amtsträgern eine „arische Abstammung“ verlangt wurde. Als Reaktion darauf entstand im September 1933 der Pfarrernotbund. Für seine Mitglieder war der Paragraph nicht mit dem christlichen Glaubensbekenntnis vereinbar. Dem Bund gehörten bis zum Ende des Jahres schon etwa 7.000 Pfarrer an. Das war rund ein Drittel aller evangelischen Pfarrer. Aus diesem Pfarrernotbund ging im September 1934 die Bekennende Kirche hervor. Sie betrachtete sich als einzige, rechtmäßige Repräsentantin der evangelischen Kirche. In ihr spielte die mündige, aktive Gemeinde eine wichtige Rolle. Ihre Mitglieder setzten sich vor allem gegen die Einmischung des Staates in innerkirchliche Angelegenheiten zur Wehr. Sie verstanden sich jedoch nicht als Opposition, denn viele von ihnen befürworteten den Nationalsozialismus.

Wahlkundgebung der Deutschen Christen am 11. November 1932 im Saalbau Friedrichshain anlässlich der Kirchenwahl. Quelle: Ev. Immanuel-Kirchengemeinde, Berlin


Im Dezember 1932 fanden die Gemeindekirchenratswahl der Immanuelkirche statt. Die der bekennenden Kirche erhielt elf Sitze, die Liste der Deutschen Christen sieben Sitze. Dagegen erhoben die Deutschen Christen am 1. Dezember 1932 Einspruch. Ihr Protest richtete sich vor allem gegen den Kantor Richard Abel, der am Wahltag »bei dem grossen Andrang im Saal offen für die Liste der Positiven agitiert« und den Umstehenden nahegelegt habe, nicht die Liste der Deutschen Christen zu wählen.

»Wir treten ein für eine freie deutsche evangelische Kirche im freien deutschen Vaterland!

Wir wollen aber nicht, daß unsere Kirche von politischen Mächten irgendwelcher Art geleitet wird.«
Wahlaufruf der bekennenden Kirche im November 1932

 
 

Einladung zur Versammlung des Positiven Parochialvereins im Gemeindehaus am Vortag der Kirchenwahl am 13. November 1932. Quelle: Ev. Immanuel-Kirchengemeinde, Berlin


Der 1895 innerhalb der Immanuel-Gemeinde gegründete Positive Parochialverein trat unter Führung der Kirchenältesten gegen die Deutschen Christen zur Wahl an. Seine »Positive Kampfliste Evangelium und Volkstum« nannte sich später »Evangelische Glaubensgemeinschaft Immanuel« und ab 1935 »Evangelische Bekenntnisgemeinde Immanuel«.

Bekenntnisgemeinde Immanuel

Aufseiten der Bekennenden Kirche setzten sich die Pfarrer Walter Häfele und Johannes Schwartzkopff gegen die nationalsozialistische Verfälschung des Christentums zur Wehr. Die Arbeit der Bekenntnisgruppe wurde durch Drohungen, Belästigungen und Schikanen behindert, ohne dass die Reichskirchenregierung zugunsten der Bedrängten eingriff. Die Kontroversen waren heftig, doch zuletzt erwies sich die „Evangelische Bekenntnisgemeinde Immanuel“ als die stärkere Kraft.

Walter Häfele (19001935): Ein „Vorkämpfer der Bekenntniskirche“1

Walter Häfele, undatiert, Quelle: Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Walter Häfele war von 1930 bis 1935 Pfarrer an der Immanuelkirche und zählte zu den aufstrebenden Kräften der oppositionellen Gruppe „Evangelium und Kirche“. Er war Gründungsmitglied des Pfarrernotbundes. Häfeles eindrucksvolle Predigten und Bibelstunden wurden von den Mitgliedern der Immanuel-Gemeinde sehr geschätzt. Mit der Unterstützung der Gemeindehelferin Hildegard Kurzawa leitete er eine Reihe unterschiedlicher Bibelkreise und betrieb eine intensive Besuchs- und Jugendarbeit. Unter Häfele stieg die Zahl der Gemeindemitglieder in seinem Seelsorgebezirk auf 11 000.

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1 Rundbrief der Bekennenden Kirche vom 1. März 1935

„Die Entstehung der Bekennenden Kirche brachte ein neu erfahrbares Gemeindebewusstsein mit sich. Ich war die letzte Konfirmandin von Pfarrer Häfele (gestorben am 11. Februar 1935). Der Geistliche hatte durch sein Wirken so etwas wie eine Erweckung zustande gebracht, bei seinen Bibelstunden waren die Räume voller Menschen.“ 


Quelle: Irmgard Hertrich (1918–2013), Mitglied der Immanuel-Gemeinde. In: Hans-Rainer Sandvoß: „Es wird gebeten, die Gottesdienste zu überwachen …“ Religionsgemeinschaften in Berlin zwischen Anpassung, Selbstbehauptung und Widerstand von 1933 bis 1945. Berlin 2014, S. 264f.

Die Berufung von Johannes Schwartzkopff (18891968)

Nach dem frühen Tod Walter Häfeles im Februar 1935 wurde der Einfluss der Deutschen Christen innerhalb der Immanuel-Gemeinde stärker. Zwischen 1935 und 1937 blieb die Bekennende Gemeinde der Immanuelkirche ohne eigenen Pfarrer. Mit einer Unterschriftenliste, die von 709 Personen unterzeichnet wurde, konnte sie im September 1936 durchsetzen, dass ein der Bekennenden Kirche nahestehender Pfarrer an die Immanuelkirche berufen wurde: Im April 1937 trat Johannes Schwartzkopff (1889–1968) seinen Dienst an.

Wahlkundgebung der Deutschen Christen am 11. November 1932 im Saalbau Friedrichshain anlässlich der Kirchenwahl. Quelle: Ev. Immanuel-Kirchengemeinde, Berlin

Johannes Schwartzkopff wuchs als Sohn eines Pastors in Berlin auf. Nach dem Besuch des Humboldt-Gymnasiums in Tegel studierte er Theologie und diente als Feldgeistlicher im Ersten Weltkrieg. Danach war er zunächst Pastor in Varchentin (Mecklenburg). Seit 1925 zum Domprediger in Güstrow berufen förderte er dort Ernst Barlach bei der Realisierung seines Mahnmals „Der Schwebende“ für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Johannes Schwartzkopff gehörte zu den führenden Mitgliedern des Pfarrernotbundes und der Bekennenden Kirche in Mecklenburg. Unter dem Vorwurf, den nationalsozialistischen Staat herabgewürdigt und damit gegen die sogenannte Heimtückeverordnung verstoßen zu haben, wurde Schwartzkopff im Februar 1934 von der deutsch-christlichen Kirchenbehörde seines Amtes enthoben.

Unterschriftenliste vom 18. Juni 1936 gegen die Berufung eines den „Deutschen Christen“ angehörenden Pfarrers. Leihgabe: Ev. Immanuel-Kirchengemeinde, Berlin

Reiner Liensdorf erinnert sich an Pfarrer Johannes Schwartzkopff
Aufnahme: Bernt Roder, Schnitt: Kerstin Groner, Dauer: 5:53 Minuten, 2020

Reiner Liensdorf erinnert sich an Pfarrer Johannes Schwartzkopff

Thea Walter erinnert an engagiertes Handeln gegen die Nationalsozialisten in Immanuel

Thea Walter (1928–2006) hielt zeitlebens die Erinnerung an Johannes Schwartzkopff wach. Mit bebilderten Vorträgen berichtete sie als Zeitzeugin in Schulen und Gemeinden über Schwartzkopffs Engagement in Immanuel. Ihre Enkeltochter Ruth Orland setzt heute ihre Arbeit fort.

Für die Ausstellung hat Ruth Orland Auszüge aus den Aufzeichnungen von Thea Walter eingesprochen. *

Thea Walter im Konfirmationsalter, um 1940. Quelle: Familie Orland
Thea Walter, geborene Haeberlein, wurde in der Immanuelkirche getauft und konfirmiert. Sie arbeitete als kirchliche Jugendhelferin in der Gemeinde.

Pfarrer Schwartzkopff hilft jüdischen Mitmenschen

Obwohl er mehrfach verhaftet wurde, half Pfarrer Schwartzkopff Menschen jüdischer Herkunft und bot ihnen Schutz. Dabei wurde er von engagierten Helferinnen und Helfern aus seinem Viertel unterstützt und er nutzte familiäre sowie kirchliche Kontakte nach Mecklenburg. In ihren Erinnerungen an Schwartzkopff zeichnet Thea Walter das Bild eines unerschrockenen Menschen während der Zeit des Nationalsozialismus: Schwartzkopff berichtete den Jugendlichen der Gemeinde von seiner Freundschaft mit Ernst Barlach, einem damals als „entartet“ diffamierten Künstler. Er erzählte ihnen von seinen Verhaftungen und betraute die Konfirmandinnen und Konfirmanden damit, verfolgte Menschen im Gemeindebezirk zu unterstützen. Schwartzkopff taufte und konfirmierte jüdische Kinder in der Immanuelkirche.

Brief von Johannes Schwartzkopff aus dem Gefängnis Plötzensee vom 26. Juni 1937 an seine Gemeindehelferin Hildegard Kurzawa. Quelle: Archiv Thea Walter

Sprecherin: Ruth Orland, Aufnahme und Schnitt: Christian Betz, Dauer: 2:06 Minuten, 2019

Thea Walters Erinnerungen an Gerda Winiski

Gemeindeausflug in den Tiergarten: Gerda Winiski stehend, Thea Walter vorn links in der Hocke. Quelle: Familie Orland


Die Jugendleiterin der Immanuel-Gemeinde, Ingelid Marquardt, organisierte 1937 oder 1938 einen Ausflug in den Tiergarten. Zum ersten Mal war eine „Neue“ dabei, Gerda Winiski. Sie sollte später Thea Walters Freundin werden.

 

Sigmar Schollak

Sigmar Schollaks (19302012) Kinderbuch „Das Mädchen aus Harrys Straße“ erschien 1978. Hintergrund der im Winsviertel angesiedelten Geschichte sind die Erfahrungen seiner Kindheits- und Jugendjahre in der Zeit des Nationalsozialismus.
Schollaks Eltern hatten Johannes Schwartzkopff gebeten, ihren Sohn zu taufen. In diesem Fall entschloss sich der Pfarrer, die Gemeinde mit der Situation direkt zu konfrontieren. Auf einem Elternabend informierte er die Anwesenden, dass nun ein jüdischer Junge am Unterricht teilnehmen werde. Schwartzkopff überließ ihnen die Entscheidung, ob sie ihre Kinder aus dem Unterricht herausnehmen oder weiter teilnehmen lassen wollten.

Sprecherin: Ruth Orland, Aufnahme und Schnitt: Christian Betz, Dauer: 1:45 Minuten, 2019

Das ist Konrad. Konrad ist Jude

„Ich bin 1939 getauft worden, eine Vorsichtsmaßnahme meiner Mutter. Meine Taufe und Konfirmation hat ein Pfarrer übernommen, der ein Freund Ernst Barlachs war. Pfarrer Schwartzkopff saß oft bei der Gestapo, er war ein erstaunlicher Mann.“



Sigmar Schollak über seine Taufe durch Pfarrer Schwartzkopff. Quelle: Sabine Brandt: Interview mit Sigmar Schollak (TLZ 9. November 2006), Archiv der Akademie der Künste, Sigmar-Schollak-Archiv, M110

 

Sigmar Schollak: Das Mädchen aus Harrys Straße. Berlin 1980 (3. Auflage). Reihe: Die kleinen Trompeterbücher. Quelle: Familie Orland

 

Handeln gegen das nationalsozialistische Euthanasieprogramm

Johannes Schwartzkopff mit Jugendlichen in Lobetal. Ingelid Marquardt, die Jugendleiterin der Gemeinde, ist in der unteren Reihe (2. v. l.) zu sehen. Quelle: Familie Orland
Die Gemeinde der Immanuelkirche unternahm häufig Ausflüge nach Lobetal und Erkner. Johannes Schwartzkopff hielt engen Kontakt zu Pastor Paul Gerhard Braune in Lobetal.

 

Auch im Umfeld von Pfarrer Schwartzkopff widersetzten sich Menschen der nationalsozialistischen Politik, insbesondere dem Euthanasieprogramm. Schwartzkopffs Schwester Elisabeth führte von 1926 bis 1944 das zu den Hoffnungstaler Anstalten gehörende Mädchenheim „Gottesschutz“ in Erkner. In mindestens zwei Fällen verhinderte sie den Abtransport körperlich und geistig beeinträchtigter Mädchen aus ihrem Haus. Der Leiter der Hoffnungstaler Anstalten in Lobetal, Pastor Paul Gerhard Braune (18871954), protestierte im Juli 1940 mit einer an die Reichskanzlei gerichteten Denkschrift gegen den Massenmord an Patienten von Heil- und Pflegeanstalten.

Sprecherin: Ruth Orland, Aufnahme und Schnitt: Christian Betz, Dauer: 1:45 Minuten, 2019

Erinnerungen von Thea Walter an Elisabeth Schwartzkopff

Gemeindeschwester Hildegard Kurzawa

Ausflug der Gemeinde zum Evangelischen Johannesstift in Spandau. Hildegard Kurzawa (stehend), um 1940. Quelle: Familie Orland (Foto unten)


Aufgabe des Johannesstifts war die Unterstützung von Armen, Kranken, Gefangenen, Kindern und körperlich und geistig beeinträchtigten Personen. Meist gelang es dem Stift, seine Bewohner in Sicherheit zu bringen. Gefährdete Patientinnen und Patienten wurden nach Hause gebracht oder in Privatheime verlegt.

 Am 3. August 1941 hielt der Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen (1878–1946), eine Predigt gegen die Euthanasiemaßnahmen der Nationalsozialisten. Bald kursierten Kopien dieser Predigt, die in den Bekenntnisgemeinden weitergegeben wurden. Ihre Vervielfältigung stand unter Strafe. Dennoch wurde die Predigt in der Wohnung der Gemeindeschwester Hildegard Kurzawa mit einfachen Mitteln kopiert und bei Hausdurchsuchungen versteckt.

 

Sprecherin: Ruth Orland, Aufnahme und Schnitt: Christian Betz, Dauer: 1:45 Minuten, 2019

Erinnerungen von Thea Walter an Hildegard Kurzawa

Abgestürztes Gemeindeschild. Quelle: Ev. Immanuel-Kirchengemeinde, Berlin

Auswirkungen des Kriegsgeschehens auf das Gemeindeleben


+++++ Eine Rundverfügung der Superintendentur vom 12. Januar 1942 enthält die Anordnung, dem Provinzialkonservator für die Stadt Berlin, Oberbaurat Peschke, „Glocken aus anderem Werkstoff als Bronze“ zu melden. Da die Glocken der Immanuelkirche aus Bronze gegossen waren, blieben diese erhalten. +++++ Durch behördliche Anordnung war die Gemeinde 1944 gezwungen, den eisernen Zaun der Kirche zu entfernen und das Eisen der „Schrottaktion“ zuzuführen. Eine Entschädigung erhielt die Gemeinde nicht. +++++ Im Februar 1945 befand sich an der Ecke Prenzlauer Allee und Immanuelkirchstraße eine Panzersperre, in der ein Toter hing. Es war die Leiche eines erschlagenen Mannes, der sich defätistisch geäußert haben soll. +++++ Eine Abteilung des Volkssturms befand sich im Heizkeller der Kirche und im Gemeindehaus. +++++ Auf dem Turm der Immanuelkirche mussten junge Leute mit dem MG in der Hand Berlin verteidigen und verloren ihr Leben. Ein sowjetischer Panzer stand auf der anderen Straßenseite und beschoss die Kirche. +++++ 17 Opfer der Kampfhandlungen wurden auf dem Kirchengelände, später auf den Friedhöfen in der Prenzlauer Allee 1 und 7 beigesetzt. +++++ Die Immanuelkirche blieb vermutlich von der Zerstörung verschont, weil eine bewaffnete Widerstandsgruppe das Volkssturmlager besetzt und die Vorhut der Roten Armee informiert hatte. +++++ Der Vorraum des Gemeindesaals diente als Kuhstall. +++++

„Das für die Immanuelgemeinde einschneidende Ereignis geschah am 23. Februar 1944, als nach einer Passionsandacht das Haus (…)(2. Predigtstätte) von einer Luftmine getroffen wurde. 120 Personen, darunter auch Pfarrer Heinecke und viele Gemeindemitglieder aus dem zweiten Gemeindebezirk, kamen ums Leben. Sie wurden auf dem St. Bartholomäusfriedhof in Weißensee, der von Immanuel mitgenutzt wurde, bestattet.“

Quelle: Christa Nauck: 100 Jahre Immanuelkirche und Immanuelgemeinde Prenzlauer Berg 18931993. Berlin 1993, S. 18

Die durch eine Luftmine zerstörte Predigtstätte Immanuel II in der Zelterstraße, 1948. Foto: Ev. Immanuel-Kirchengemeinde, Berlin

* Quellen: Erinnerungen von Thea Walter. In: Mark Pockrandt / Uta Motschmann (Hg.): Die Immanuelkirche Prenzlauer Berg. Kirchliches Leben seit 1893. Berlin: be.bra Verlag 2018, S. 60f. und Vortrag von Thea Walter in der Gemeinde in Uelzen zum Thema „Gegen das Vergessen. Kindheit und Jugend im Dritten Reich“ am 4. Februar 2006.