Kirche in den letzten 30 Jahren bis zur Gegenwart

Einheit der evangelischen Kirche

„Wir werden aufrichtig miteinander streiten müssen, welche Gestalt unsere Kirche haben muss“

Ehemalige Ost-Präses Rosemarie Cynkiewicz

Im Januar 1990 begann der Prozess der Annäherung zwischen den west- und ostdeutschen Kirchen. 1991 wurde auf der ersten gesamtdeutschen Synode nach der deutschen Teilung die Einheit der evangelischen Kirche in Deutschland wieder hergestellt. Doch die unterschiedlichen Prägungen der Kirchen führten zu Diskussionen.
So blickten die ostdeutschen Kirchen mit großer Skepsis auf die Praxis, dass die Kirchensteuer vom Staat eingezogen wurde. Ebenso kritisch sahen sie den Religionsunterricht an öffentlichen Schulen und den Militärseelsorgevertrag von 1957. Da sie in allen diesen Bereichen eine zu große Staatsnähe vermuteten, waren sie zunächst nicht bereit, den Militärseelsorgevertrag und die westdeutsche Praxis der Militärseelsorge zu übernehmen. Stattdessen wurde eine stärkere kirchliche Einbindung der Soldatenseelsorge gefordert.

Mit einem symbolischen Händedruck besiegeln der damalige
Ratsvorsitzende der EKD, der Berliner Bischof Martin Kruse,
und die Berliner Oberkonsistorialrätin Rosemarie Cynkiewicz
die Vereinigung der evangelischen Kirchen in Deutschland nach
22-jähriger Trennung.
Quelle: epd

„Euphorie kam wirklich nicht auf, aber wir haben miteinander Klartext geredet und uns an die Arbeit gemacht. Und ich denke, es war gut so!“

Quelle: Rosemarie Cynkiewicz: Einheit ohne Euphorie. Portal, Ausgabe 3, 25 Jahre kirchliche Einheit, S. 4–5

Eigentumsübertragung der Kirche an die Gemeinde

 

Eigentumsübertragung der Kirche an die Gemeinde

Die Immanuelkirche war ursprünglich kaiserliches Eigentum und ging nicht wie üblich in den Besitz der Gemeinde über. Die 1921 beantragte und später bewilligte Übertragung des Grundstücks an die Kirche fand nie statt. 1951 wurde die Kirche trotz des Einspruchs von Pfarrer Johannes Schwartzkopff zum Volkseigentum erklärt. Erst im Jahr 1999 entschied sich die Stadt, das Gebäudeensemble der Immanuelkirche der Gemeinde zu übergeben.

Kirchenturm. Foto: Ev. Immanuel-Kirchengemeinde, Berlin / Uta Motschmann

 

Die Immanuel-Kirchengemeinde heute

Durch den Zuzug von Bürgerinnen und Bürgern aus der ganzen Republik hat sich auch die Gemeinde in den letzten Jahren verändert. Im Jahr 2018 umfasste der Pfarrsprengel etwa 10.000 Mitglieder. Die Immanuel-Kirchengemeinde legt großen Wert auf die persönliche Ansprache, das Gemeinschaftsgefühl und die regionale Zusammenarbeit. Hervorzuheben ist ihr umfangreiches musikalisches Angebot. Besonders präsent ist hier die Chorleiterin Monika Ellert, die auch als musikalische Jugendarbeiterin tätig ist. Ein zweites wichtiges Standbein ist die Kita. Die Kinder bringen Leben in die Gemeinde und sind auch ihre Zukunft. Die Kita ermöglicht es außerdem den Familien, auch im Alltag der Gemeinde nahe zu sein.

Pfarrsprengel

 

Seit dem 1. August 2014 bilden die evangelischen Kirchengemeinden Advent-Zachäus, Immanuel und St. Bartholomäus den Pfarrsprengel am Prenzlauer Berg. Damit sind die Pfarrer nicht mehr den Gemeinden, sondern dem Sprengel zugeordnet. Seit 2015 hat Pfarrer Mark Pockrandt die erste übergemeindliche Stelle inne. Die gewählten Gemeindekirchenräte bestehen in dieser neuen Struktur weiter und sind jeweils einem Pfarrer zugeordnet. Die Kirchengemeinden sind dadurch weiterhin selbstständig. Die Strukturveränderungen sind eine Reaktion auf die Sparmaßnahmen im Kirchenkreis.
Mit der Gründung des Pfarrsprengels wurden auch die Senioren- und die Jugendarbeit zusammengelegt, ebenso die Musikgruppen. Trotz der Umverteilung der Aufgaben sehen sich die Gemeinden mit personellen Schwierigkeiten konfrontiert, zum Beispiel in der Jugendarbeit, da in der Innenstadt die Konfirmandenzahlen steigen. Die Regionalisierung ist aber auch für Senioren, Seniorinnen und Kindergruppen ein Problem. Da sie weniger mobil sind, leidet die Verbundenheit der Gemeinden.

Festgottesdienst am 21. Oktober 2018 zum 125-jährigen Jubiläum der Immanuelkirche. Von links nach rechts: Pfarrer Joachim Goertz, Pfarrer Nils Huchthausen, Pfarrer Mark Pockrandt und Bischof Markus Dröge. Foto: Ev. Immanuel-Kirchengemeinde, Berlin / Greta Schmidt

»Gott ist mit uns! In ihm und an ihm können wir uns festmachen, so dass die Mächte und Gewalten uns nicht so leicht aus dem Gleichgewicht bringen. Auch hier tut es uns gut, Geschwister im Glauben zu haben, in einer lebendigen Gemeinde leben zu dürfen, um sich der Gegenwart Gottes auch gegenseitig immer wieder gewiss zu machen.
Ist Gott mit uns, wer mag dann gegen uns sein?«


Bischof Markus Dröge beim Festgottesdienst zum Jubiläum »125 Jahre Immanuelkirche« am 21. Oktober 2018

Mark Pockrandt


Interview über die Kirchenarbeit heute mit Dr. Mark Pockrandt, seit 2015 Pfarrer im Pfarrsprengel am Prenzlauer Berg.
Redaktion: Caroline Böttcher, Schnitt: Caroline Böttcher, Dauer: 08:43 Minuten, 2020

Kirchliche Arbeit heute

 

Über das reguläre Kirchenprogramm hinaus reagieren die Mitglieder der Immanuel-Gemeinde auf das soziale Umfeld und die Veränderungen im Kiez. Sie bieten Familienkochen und Musikprogramme an und engagieren sich in Seniorenheimen. Außerdem unterstützt die Gemeinde soziale Projekte wie die Essensausgabe „Laib und Seele“ oder das Begegnungscafé „Offene Tür“ in der Adventkirche. Hier kommen Menschen beim Essen zusammen und können sich über ihre Probleme und Sorgen austauschen. Außerdem beherbergt die Immanuelkirche mit „Meet‘n eat“ ein Projekt, bei dem Bewohnergruppen aus Notunterkünften kochen und mit Anwohnerinnen und Anwohnern aus dem Kiez zusammenkommen.
Wichtiger Bestandteil der kirchlichen Arbeit ist auch das ehrenamtliche Engagement von etwa 200 Personen im Pfarrsprengel.

„Reformation ist kein abgeschlossenes Geschehen, sondern ein Prozess der Erneuerung, der sich fortsetzt“.

Denkschrift der EKD zum großen Jubiläum. Quelle: Mathias Brüggmann: Nach der Reformation ist vor der Reformation. Portal, Ausgabe 7, Reformation, S. 5


Schwartzkopff – Gedenktafel

Auch für die geschichtliche Aufarbeitung macht sich die Gemeinde stark. Am 21. November 2018 wurde eine Gedenktafel für die Bekenntnisgemeinschaft Immanuel um Pfarrer Johannes Schwartzkopff und ihr Engagement gegen den Nationalsozialismus eingeweiht. Foto: Museum Pankow / Torsten Kilian, 2019

 

Uta Motschmann


Interview zum Wandel der Gemeinde und zu den Aufgaben und Angeboten der Kirche mit der Gemeindekirchenratsvorsitzenden Uta Motschmann.
Seit 1992 ist Uta Motschmann Mitglied der Immanuel-Gemeinde und seit 2013 ehrenamtliche Vorsitzende der Gemeindeleitung.
Redaktion und Schnitt: Caroline Böttcher, Dauer: 06:07 Minuten, 2020

 

Sören Benn


Interview mit Pankows Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke) zur Situation der Kirche in der Gesellschaft
Redaktion: Bernt Roder, Schnitt: Caroline Böttcher, Dauer: Dauer: 8:30 Minuten, 2020

 


Foto: Meet´n eat / Juliane Wolf
AnwohnerInnen der Notunterkunft (NUK) für Geflüchtete in der Winststraße bekamen 2016 die Möglichkeit in den Gemeinderäumen der Immanuelkirche selber zu kochen, mit AnwohnerInnen in den Austausch zu kommen und die HelferInnen aus der Unterkunft einzuladen und ihnen etwas zurück zu geben. Die Immanuelgemeinde hat ab 2017 die Trägerschaft übernommen und bietet wöchentlich Raum für Begegnungen.

 

Erhalt des Gebäudes


Erhalt des Gebäudes
Foto: Ev. Immanuel-Kirchengemeinde, Berlin / Greta Schmidt
Die Frage, wie mit den 35 Birken umgegangen werden soll, die auf dem Dach der Kirche wachsen, macht deutlich, wie schwierig die Vereinbarkeit von Natur- und Denkmalschutz mitunter ist.

 

Die Verwaltung der Gebäude macht einen Großteil der Arbeit der Gemeindeleitung aus. Ein besonderes Anliegen ist die Sanierung des Kirchengebäudes. Seit 1999 sammelt die Gemeinde Spenden für die Instandsetzung. So konnten bereits der Dachstuhl und die Dachfenster repariert werden. Weitere große Vorhaben sind die Beseitigung von Wasser- und Witterungsschäden, der Einbau einer Heizung und der barrierefreie Zugang. Für die Sanierung des Bauensembles der Immanuelkirche wurden im November 2019 Fördermittel vom Bund bewilligt.

Der Friedhof der Bartholomäus- und Immanuel-Gemeinde

Auch die Entstehungsgeschichte des St. Bartholomäus-Friedhofs ist eng mit dem Wachstum der Berliner Bevölkerung und der Ausweitung der Stadt verbunden. Anfänglich wurden die Gemeindemitglieder von St. Bartholomäus auf dem Friedhof der Muttergemeinde St. Georgen bestattet. Da der Friedhof bald keine Kapazitäten mehr hatte, wurde auf dem Areal in der Giersstraße 19–21 in Weißensee. 1894 eine neue Friedhofsanlage eröffnet. Die einzelnen Friedhofsbauten sind durch Sichtachsen miteinander verbunden.
Das Ensemble aus Kapelle, Portal und Verwaltungsgebäude hat die Zeiten ohne Umbauten überdauert. Seit 1994 steht der Kirchhof von St. Bartholomäus unter Gartendenkmalschutz. An ihm lässt sich auch der Wandel in der Bestattungskultur zu Gunsten der Urnenbestattung ablesen.
Heute ist der Kirchhof St. Bartholomäus der erste und einzige kirchliche Friedhof Deutschlands, der einen Bestattungswald beherbergt. Ein großer Teil des Friedhofsgeländes steht unter Naturschutz.

Innenansicht der Kapelle, Kapelle, Gedenkstätte für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, Friedwald
Fotos: Museum Pankow / Eric Müller, 2019