DIE CHORFENSTER VON HERBERT MUNDEL

Die Chorfenster

 

Die Chorfenster sind die einzigen Einbauten in der Immanuelkirche, die nach 1945 erneuert wurden. Das Ensemble besteht aus drei schmalen Rundbogenfensterpaaren mit jeweils einer Rundscheibe im Scheitelpunkt. Die ursprünglichen Fenster wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört.
Die neuen Entwürfe schuf der Berliner Künstler Herbert Mundel. Er hielt sich weitgehend an den ursprünglichen Inhalt. Die Form der Darstellung jedoch ist neu und folgt der künstlerischen Auffassung ihrer Entstehungszeit. In der Farbskala knüpfte Mundel an die bereits vorhandene Kombination von Blau, Rot und Gelb in den Deckenmalereien an. Der Lichteinfall von außen erzeugt eine feierliche Wirkung.

Die auf den drei Fenstern dargestellten Szenen haben starken symbolischen Charakter. Im wichtigsten Raum der Kirche sind sie durch die Leuchtkraft der Mosaiken besonders präsent und werden dadurch zur bildhaften Unterweisung im christlichen Glauben.

Siegfried Wehrmeister spricht über die Chorfenster von Herbert Mundel

Beschreibung der Motive auf den Farbglasfenstern, Auszug aus dem Rundgang zur Geschichte der Immanuelkirche
Der Bildhauer und Restaurator Siegfried Wehrmeister bietet seit 2004 Rundgänge und Führungen durch die Immanuelkirche an.
Interview: Bernt Roder, 2019, Dauer: 01:09 min

Die neuen Farbglasfenster von Herbert Mundel, Foto: Ev. Immanuel-Kirchengemeinde, Berlin / Greta Schmidt

Der Künstler der Chorfenster: Herbert Mundel (1901–1974)

 

Herbert Mundel wohnte in der Heinrich-Roller-Straße im Prenzlauer Berg, wo er am 31. März 1901 als Sohn eines „kleinen Handelsangestellten“ geboren worden war. Mundel hatte vier Geschwister und schloss die Schule mit der mittleren Reife ab. Nach seiner Lehre und Tätigkeit als Kaufmann studierte er Dekorative Malerei, Schrift und Plakatkunst in Berlin. Mitte der 1920er Jahre kam er durch den Künstler Lothar Schreyer in Kontakt mit dem „Sturm-Kreis“. „Der Sturm“ gehörte zu den großen avantgardistischen Zeitschriften, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegründet worden waren. 1928 nahm Mundel an der Großen Berliner Kunstausstellung teil. In seinen Arbeiten verband er konstruktive Experimente mit abstrakten geometrischen Formen und verwendete dabei reine, unvermischte Farben. 1933 bis 1945 unterbrach er seine künstlerische Tätigkeit. Er war langjähriges Gemeindemitglied und Kirchenältester von Immanuel und fühlte sich der Gemeinde sehr verbunden.

Selbstporträt des Künstlers aus den 1920er Jahren

o.T. 1928, Technik ohne Angabe
Leihgabe: Ev. Immanuel-Kirchengemeinde, Berlin

Fensterentwürfe für St. Jakob, 1952
Leihgabe: Ev. Immanuel-Kirchengemeinde, Berlin

Diese Zeit künstlerischer Aktivität wurde jäh durch den Nationalsozialismus unterbrochen. Schwül und Unheil drohend braute sich ein Unwetter zusammen. Die Tageshelle und Schaffensfreude sank. (…) Wenn mich das erste Weltkriegserlebnis zum sozialistischen Revolutionär werden liess, so möchte ich als vorläufiges Fazit aus dem Hitlerkrieg ein Hinneigen zum Religiösen andeuten.“


Quelle: Herbert Mundel: Autobiographischer Abriss – Skizzen aus Erleben und Gestaltung. Manuskript, 15. Februar 1946. Quelle: Ev. Immanuel-Kirchengemeinde, Berlin

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Mundel als freischaffender Künstler. Er entwarf mehrere Glasfenster für Kirchen und Kapellen, aber auch für Schulungsstätten.